Dies ist ein (unvollständiger) Auszug aus dem gedruckten Buch .

„One last thing…“ (Steve Jobs, Gründer von Apple)

Iterativ

Arbeiten Sie iterativ. Unabhängig von Vorgehensmodellen und organisationsweiten Entwicklungsprozessen sollten Sie kontinuierlich Ihre (Zwischen-)Ergebnisse beim Entwerfen, Entscheiden, Entwickeln, Kommunizieren und Dokumentieren kritisch hinterfragen.

Achten Sie dabei auf die Rückmeldungen anderer Beteiligter. Ihre Iterationen können zwischen Minuten und Wochen dauern – je nach Aufgabe und gewünschtem Ergebnis.

Proaktiv

Verhalten Sie sich proaktiv. Agieren Sie von sich heraus, fordern Sie aktiv Ergebnisse von anderen Projektbeteiligten ein, statt passiv zu warten. Sie tragen als Softwarearchitekten die Verantwortung für die Qualität eines Systems, für dessen Langlebigkeit, Flexibilität, Verständlichkeit und korrekte Funktion.

Dafür benötigen Sie eine Menge Unterstützung und die Zulieferungen von anderen Menschen – fordern Sie diese Leistungen aktiv ein.

Fordern Sie insbesondere Rückmeldungen zu Ihren Arbeitsergebnissen ein, diese benötigen Sie nämlich für Ihr iteratives Arbeiten!

0-Rhesus-negativ-Mentalität

„0 Rhesus negativ“ bezeichnet die mit allen anderen kompatible Blutgruppe. Halten Sie als Softwarearchitekten Ihre Kommunikation kompatibel zu den anderen Projektbeteiligten.

Sprechen Sie die Sprachen Ihrer Stakeholder: Lernen Sie fachliche und technische Dialekte, Fachbegriffe der Rechenzentren, Hardwaredesigner oder anderer Beteiligter.

Wir setzen voraus, dass Sie Geek Speak und technischen Slang ohnehin verhandlungssicher in Wort und Schrift können.

Mutig – nicht waghalsig

Verhalten Sie sich mutig, niemals waghalsig. Insbesondere zum Entscheiden gehört Mut. Einige Ihrer Entscheidungen werden für manche Projektbeteiligte unbequem sein – Sie müssen sie aber dennoch treffen. Viele Entscheidungen müssen Sie unter Unsicherheiten treffen, d. h. ohne Kenntnis sämtlicher Fakten oder Informationen.

Und Entscheidungen immer zu verzögern, kann manchmal schädlich für den Fortschritt der Entwicklung sein…

Kundenorientiert

So oft lesen wir dieses Wort in Imagebroschüren und Firmenpräsenationen, aber so selten erleben wir echte Kundenorientierung in der Praxis.

Stellen Sie die Wünsche und Bedürfnisse Ihrer Kunden und Auftraggeber in den Vordergrund Ihrer Tätigkeit: Sie sind der edle Ritter Ihrer Kunden.

Sowohl Qualitätsmerkmale als auch Randbedingungen sollten Sie von Ihren Kunden übernehmen – und sich in keinem Fall selbst ausdenken (es sei denn, Ihr Kunde fordert Sie dazu ausdrücklich auf).

Angemessen

Angemessenheit zu erreichen, ist eine der schwierigsten Aufgaben für Softwarearchitekten: Sie müssen angemessene Strukturen mit angemessenen technischen Konzepten entwerfen, dabei angemessene Entscheidungen treffen und angemessen kommunizieren.

Niemand kann für Sie a priori festlegen, wie viel von jedem denn angemessen bedeutet – aber jeder erwartet, dass Sie in Ihrer Rolle als Softwarearchitekten das passende Maß finden.

Risiken und Komplexität kurieren

Risikomanagement gehört zu den klassischen Aufgaben Ihrer Manager und/oder Projektleiter. Insbesondere bei den technischen Risiken müssen Sie als Softwarearchitekten zuarbeiten.

Agieren Sie hinsichtlich Risiken besonders aktiv und mutig: Weisen Sie auf mögliche Risiken hin, zeigen Sie deren Konsequenzen auf. Wenn nötig, auch wiederholt – schließlich tragen Sie die Verantwortung!

Perspektiven

Wechseln Sie bewusst von Zeit zu Zeit Ihre Perspektive. Hier einige Beispiele für Perspektivenwechsel, die Ihre persönliche Produktivität und Effektivität steigern:

  • Wechsel zwischen statischen und dynamischen Sichten, zwischen Baustein- und Laufzeitsicht
  • Wechsel zwischen Strukturen und technischen Konzepten – beide müssen einander ergänzen und zueinander passen
  • Wechsel zwischen Anforderung und Lösung – als Architekt müssen Sie stets ein möglichst klares Bild der aktuellen (!) Anforderungen haben, um die jeweils dazu angemessene, passende Lösung zu entwerfen
  • Wechsel zwischen Top-down- und Bottom-up-Vorgehen. Arbeiten Sie zeitweise von ganz oben, aus der Vogelperspektive, wechseln Sie zwischenzeitlich zur detaillierten Ansicht von ganz unten
  • Wechsel zwischen Black- und Whiteboxes: Sowohl die Außen- wie auch die Innensicht müssen Sie für viele Ihrer Architekturbausteine im Blick behalten
  • Wechsel zwischen Entwicklungs-, Betriebs- und Wartungsfokus; gerne dürfen Sie auch weitere Stakeholder Ihres Systems intensiv berücksichtigen

Selbsteinschätzung

Sie müssen lernen, Ihre eigenen Fähigkeiten realistisch einzuschätzen. Wenn Ihnen die Randbedingungen eine bestimmte Open-Source-Bibliothek vorschreiben, Ihnen damit aber jegliche Erfahrung fehlt, dann sollten Sie entsprechende Experten zu Rate ziehen. Gleiches gilt für Ihre übrigen Architektenaufgaben: Bearbeiten Sie die Dinge selbst, die Sie gut können. Delegieren Sie einige Aufgaben, anstatt schlechte oder gar keine Ergebnisse abzuliefern!

Lernen

Schließlich erfordert Ihre anspruchsvolle Aufgabe, dass Sie ständig weiter lernen. Unserer Ansicht nach gehört eine fast unstillbare Neugier zu den Merkmalen der besten Architekten: Sowohl Ihre technischen als auch Ihre kommunikativen und diplomatischen Fähigkeiten benötigen kontinuierliche Weiterentwicklung und Verbesserung. Lernen Sie von Ihren Teams, fragen Sie, lesen Sie, probieren Sie aus. Fragen Sie noch einmal. Regen Sie an, dass in Ihren Projekten regelmäßig Retrospektiven stattfinden, um die Erfahrungen der Mitarbeiter im Team zu verbreiten.

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